Listenplatz 20: Malgorzata Koszela

Malgorzata Koszela, Bitburg [36 Jahre]

Pflegeassistentin

 

„Fallen, aufstehen, Krone richten und weitergehen.“

 

Nach Bitburg brachte mich vor 19 Jahren die Liebe. Ursprünglich stamme ich aus Kedzierzyn-Kozle, einer Stadt im polnischen Partnerkreis des Eifelkreises Bitburg-Prüm. Da ich anfangs die deutsche Sprache nicht konnte und mein Mann beruflich viel unterwegs war, wollte ich nach einem Jahr wieder zurück.

Dann hab ich mich aber doch für Deutschland entschieden, die Sprache sprechen und schreiben gelernt, und schnell fand ich eine Arbeit in einem Produktionsbetrieb. Mittlerweile möchte ich nirgendwo anders leben, weil ich hier meine Freunde habe. Bitburg ist meine zweite Heimat geworden. Das ist zwar nicht einfach für meine Eltern, denn ich bin das einzige Kind. Aber ich fahre regelmäßig mit meiner Tochter nach Polen zu Besuch.

Nach sieben Jahren Ehe war ich plötzlich alleinerziehende Mutter mit einer einjährigen Tochter. Als ich dann auch noch meine Arbeit verlor, musste ich wieder ganz von vorne anfangen. Und die Situation, als alleinerziehende Mutter ohne Ausbildung eine Arbeit zu finden, war sehr schwer für mich. Nach einer Tätigkeit als stellvertretende Leiterin in einem Sonnenstudio habe ich letztes Jahr beim DRK Bildungswerk eine Ausbildung zur Pflegeassistentin absolviert und ein Berufspraktikum im Krankenhaus gemacht. Jetzt arbeite ich in einem Pflegeheim und werde ab dem Sommer eine Ausbildung zur Altenpflegerin beginnen.  Das ziehe ich durch – jetzt oder gar nicht. In meinem jetzigen Beruf bekomme ich so viel zurück, wenn ich den Menschen im Heim helfen kann.

Warum jetzt Politik? Ich denke, mit mehr Frauen in der Politik kann einiges verändert werden. Frauen denken anders als Männer. Als bekannt wurde, dass ich mich politisch engagieren werde, war ich überrascht, wie viele positive Reaktionen ich erfahren durfte. Ich wohne jetzt seit 19 Jahren hier und bin der Meinung, dass ich schon einiges an eigener Erfahrung einbringen kann. Gerade für ausländische Neubürger kann ich ein kompetenter Ansprechpartner sein. Und meine zehnjährige Tochter lässt mich jeden Tag erfahren, wie schwer es ist, Beruf und Kindererziehung unter einen Hut zu bringen. Längere Öffnungszeiten in der Kinderbetreuung sind dabei nur ein Problem, welches ich angehen möchte. Ob in Kindergärten, Grundschulen oder in der Realschule Plus – da ist ein großer Bedarf an Anpassung an die Arbeitszeiten der Eltern notwendig.

Aber auch die Freizeitangebote in Bitburg müssen noch besser koordiniert werden. Ein funktionierendes und attraktives Kino oder ein Ersatz für das jetzt leider geschlossene Kinderparadies Happyland sind dabei nur ein kleine Bausteine.

Man entwickelt so seine Stärken, wenn man zweimal im Leben neu anfangen muss. Den Spruch: „Fallen, aufstehen, Krone richten und weitergehen“ möchte ich vielen Menschen mit auf den Weg geben. Ich weiß, wovon ich rede.

 
 
 

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