Listenplatz 2: Lydia Loser

Lydia Loser, Bitburg-Masholder [47 Jahre]

Friseurin

 

„Mein Sohn hat mich gelehrt zu kämpfen.“


Seit meinem 15. Lebensjahr arbeite ich als Friseurin. Ich liebe die Kreativität und den Umgang mit Menschen, obwohl der Beruf schlecht bezahlt wird. Auch in meiner Freizeit mache ich immer etwas Kreatives. Beim Sport bekomme ich meinen Kopf frei. Ich gehe viel spazieren und wandern. Früher habe ich Modenschauen organisiert und war durch die Friseurinnung im Modebeirat der Stadt Bitburg. Bis heute gehe ich immer noch auf Messen und besuche verschiedene Seminare, um die neuesten Trends kennenzulernen. Ganz besonders liebe ich Hochzeiten. Die Vorbereitungen sind sehr emotional.

Ich hatte wegen meiner beiden Kinder zwischenzeitlich eine Berufspause eingelegt. Mein behinderter Sohn war in den ersten sieben Jahren häufig im Krankenhaus. Vor zehn Jahren habe ich mich als Friseurin selbständig gemacht. Zu meinen Kunden habe ich meistens ein sehr privates Verhältnis. Zum Haare schneiden fahre ich teilweise auch zu ihnen nach Hause. Ich könnte eine Agentur für Dienstleistungen aufmachen, da ich viele Leute und deren Bedürfnisse kenne.

Als mein Sohn behindert zur Welt kam, war ich erst mal schockiert. Durch meine Schwester, die in einer Behinderteneinrichtung arbeitete, fühlte ich mich nicht so alleine. Am Anfang hatte ich Angst, dass er nicht überlebt. Aber bis zum heutigen Tag haben wir die Situation als Familie sehr gut gemeistert. Durch die Geburt meines Sohnes habe ich einen anderen Blickwinkel für das Leben bekommen. Über die unwichtigen Dinge denke ich nicht mehr nach. Ich bin stärker und reifer geworden. Es ist eben nicht selbstverständlich, gesunde Kinder zu haben. Mein Sohn hat mich gelehrt zu kämpfen. Denn so schnell gebe ich nicht auf. Das Haus der Jugend ist eine gute Einrichtung für Kinder und Jugendliche. Aber wenn die Kinder groß werden, ist die Freizeitgestaltung begrenzt und es gibt wenig betreute Wohnplätze. Dafür möchte ich mich einsetzen. Die vielen leerstehenden Häuser in Bitburg würden viele Möglichkeiten bieten. Menschen mit Behinderung bleiben als Erwachsene nur noch zu Hause; und das sehe ich nicht ein. Ich nehme meinen Sohn, der jetzt 21 Jahre alt ist, überall mit - ins Fitness-Studio, zum Einkaufen, wir fahren auch gemeinsam mit meinem Mann und meiner Tochter in Urlaub. Auch heute wird man immer noch angeschaut, wenn ein Mensch mit Behinderung in der Gruppe ist.

Ich wollte nie so richtig in die Politik. Aber dieses Jahr ist die Zeit reif – deshalb bin ich in der LISTE STREIT. Ich habe mich früher schon im Elternbeirat und im Förderverein engagiert. Mein Anliegen ist, mehr Orte für Jugendliche ab 16 Jahren zu schaffen. Die meisten sitzen zu Hause, weil sie nicht wissen, wohin sie gehen sollen. Hier möchte ich einiges bewegen.

 
 
 

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